Unsere Geschichte

Nun, verehrter Gast, sollt Ihr unsere Geschichte hören. Einst, vor hunderten von Jahren zogen indische Tänzerinnen fort aus ihrer Heimat, um in der weiten Welt ihr Glück zu suchen. Ihr Weg führte sie durch die Weiten der Wüste Rub al Kali bis in die Oase Bir Hima. Hier fanden sie für viele Jahre eine neue Heimat. Sie gründeten Familien , bildten ihre Töchter zu Tänzerinnen aus und so formte sich regelrecht eine Gilde, ein Stamm von tanzenden Frauen. Dann begann das dreizehnte Jahrhundert. In seinen ersten Jahren zogen einige der Frauen fort aus Bir Hima. Sie wanderten weite Wege, die einen zogen ins ferne Byzanz, andere kamen nach Jerusalem, und eine weitere Gruppe reiste lange Zeit an der nordafrikanischen Küste entlang, bis sie übersetzte ins maurische Grenada. Es waren unruhige Zeiten damals, Kreuzüge überzogen immer wieder mit Kriegen das Heilige Land. Bis 1228 Kaiser Friedrich II., seines Zeichens römisch-deutscher Kaiser und König von Sizilien, zum Kreuzzug rief. Friedrich war ein überaus gebildeter Mann und ein Freund der Araber. Er "eroberte" das Heilige Land durch Verhandlungen und wurde für zehn Jahre auch König von Jerusalem. Bei den Krönungsfeierlichkeiten sah er die Tänzerinnen aus Bir Hima. Sie beeindruckten ihn so sehr, dass er sie bat, in seinem Troß mit nach Europa zu ziehen. Ein Teil der Frauen willigte ein und begleitete von nun an den kaiserlichen Troß durch das römisch-deutsche Reich. Frauen aus Byzanz und Granada stiessen mit der Zeit dazu und so gründete sich der Stamm "Bir Hima". Bis zumTode Friedrichs im Jahre 1250 zogen wir immer unter seinem Schutz. Dann jedoch waren wir auf uns allein gestellt. Der Stamm schloß sich hin und wieder fahrendem Volk oder auch einem lottrigen Gesindel an, um nicht völlig schutzlos durch das Land zu reisen. Mit den Jahren nahm sich die eine oder andere Frau einen Gefährten, Söhne wurden groß und blieben beim Stamm, so dass die Sicherheit der Frauen gewährleistet war. Inzwischen waren wir bis in den Norden des Reiches und weiter bis ins Königreich Dänemark gewandert. Wir erhofften uns hier ein bischen mehr Ruhe vor den fanatischen Kirchenmännern, denen wir schon lange ein Dorn im Auge waren. In den langen, kalten Wintern lebten wir in kleinen schäbigen Katen, die wir von irgendwelchen Bauersleuten gegen ein paar Silberlinge nutzen durften.  In den warmen Monaten zogen wir von Ort zu Ort, um auf Festen zu tanzen. Bis im letzten Winter. Wir hatten eine Unterkunft in den nordfriesischen Landen, nicht weit vom Meer entfernt. Es war der zweite Monat des Jahres und die ersten Stürme überzogen die Lande. Es hatte geschneit und trotzdem sollte eine kleine Gruppe von uns nach Gut Hoyerswort. Dort wollten wir bei einer Hochzeit tanzen, und nebenbei auf dem Markt einige Dinge erwerben. Bakke Grip, der sanfte Heinrich und Angus begleiteten uns. Sie brauchten Leder, Eisen zu Schmieden und einiges mehr. Außerdem begleitete uns die Sklavin Brassica. Als wir loszogen, stürmte es schon wieder heftig, und wir brauchten länger als geplant, bis wir endlich in Hoyerswort Schutz vor Wind und Schnee fanden. Dieser Sturm war das Schlimmste, was ich je erlebt hatte, die Wüstenstürme meiner Jugend konnten unseren Zelten nie etwas anhaben. Aber dieser Sturm deckte Häuser ab, brachte starke alte Bäume zum Einsturz.  Was wir nicht ahnten, kannten aber die Menschen, die hier seit Urzeiten lebten - die Gefahr des Meeres. Als wir nach drei Tagen voller Angst und Vorahnungen zurückkehren wollten zu unserer Kate, kamen wir nicht einmal mehr in ihre Nähe. Der Sturm hatte das Meer weit ins Land getrieben, hoch war es über Wiesen und Warften geflutet und hatte nur wenig davon wieder frei gegeben. Unser Haus lag am Grund des Meeres! Voller Kummer und Entsetzen zogen wir mit unserer wenigen Habe von Dorf zu Dorf, hinterliessen an den christlichen Kirchen Nachrichten für die, die vielleicht überlebt hatten. Denn immernoch hatten wir Hoffnung, dass die Frauen sich rechtzeitig retten konnten. Doch bisher fanden nur zwei unserer Frauen den Weg zu uns, außerdem mein Sohn Bullveighsson. Sie waren einer unserer Kühe gefolgt, um sie vor den Stürmen zu schützen, doch das kluge Tier hatte sich gleich auf den Weg weit fort vom Wasser gemacht. So hatten die drei und das Rindvieh überlebt. Aber auch sie wussten nichts über das Schicksal der restlichen Frauen. Aber wir hoffen noch immer...... Wegen dieser furchtbaren Geschichte, verehrter Gast, änderten wir auch unseren Namen. Wir hatten diese schreckliche Flut überlebt. Aus Trauer um unsere Schwestern wollten wir nicht länger den gemeinsamen Namen "Bir Hima" tragen. So nannten wir uns nach dem Benu-Vogel, der in den Flammen stirbt und aus seiner Asche zu neuem Leben aufsteigt.

 

 

 



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